Lingener Tagespost

3. Mai 2003

Ein Höhepunkt im Frerener Kulturleben

Von Peter Löning

"Kurz, aber heftig, lautete der erste Kommentar der Impulse-Vorsitzenden Leoni Holzapfel zu der überwältigenden Darbietung des Flamenco-Tanztheaters Antinéa-Sentimientos Oscuros' - in der Alten Molkerei Freren. Es waren zwar für den Abend für Norddeutschland kleinere Gewitter I angesagt gewesen, aber mit solchen Donnerwettern, wie sie die drei Tänzer unter ihren Schuhsohlen trugen, hatte hier doch niemand gerechnet.

Die ungeahnte Ausdruckskraft der Bewegungen voll leidenschaftlicher Strenge zog das Publikum fest in ihren Bann. Dabei musste man nicht Spezialist für ethnische Tänze sein. Beinahe ohrenbetäubend trommelten die virtuos agierenden Tänzerfüße Rhythmen von faszinierender Komplexität in berauschenden Tempi auf die ach so dünnen Spanplatten und ließen dabei alles bekannte Kommerzgesteppe kalt im Regen stehen.

Begleitet wurde dies von einer mehr als exzellenten Instrumentalgruppe mit zwei brillanten Gitarristen, einem Bassisten, der sich auch perkussierend auf dem Cajön Gehör verschaffte, sowie einem für emslandische Ohren doch leicht befremdlich authentischen Flamencosanger, der dem Kolorit den rundenden Schliff gab.

"Sentimientos Oscuros" (Dunkle Gefühle) zeichnet, angelehnt an ein Shakespeare Sonett, eine Geschichte um Angst, Einsamkeit, Verzweiflung und Trauer, aus den Tiefen alter Wunden mit Mitteln der Musik und des Tanzes ins Bewusstsein gerückt. Mitnichten offen und leicht nachvollziehbar. Vielmehr transportierte sich eine rätselhafte Ahnung, untermauert von der Faszination der Bilder, der rhythmischen Ekstase und der grenzenlosen Virtuosität der ganzen Truppe, die dem klassischen Flamenco einige musikalische Ungereimtheiten beimischte.

Eine das gesamte Programm umspannende Zwischenmusik ließ starke Anklänge an den so gar nicht spanischen George Gershwin erspüren "It Ain't Necessarily So'), Tonbandzupielungen ließen geflissentlich irritierend gregorianische Gesänge ertönen, die der live gespielten Musik wie auch dem Tanz scheinbar konträr begegneten. Dem Finale unterlag hingegen eine Aufnahme mit der 80er-Jahre-Pop-DIva "Shade" ("Just Another Day"). Bereichernd beigemischte Ebenen in dem Geschehen, womit der Flamenco zur lebendigen Kunst erhoben wird.

Die Truppe um die Tänzerin Antinéa bot mit diesem Programm dem frenetisch applaudierenden Publikum ungeahnt Einmaliges. Zweifelsohne war das ein Höhepunkt unter den Veranstaltungen des Frerener Kulturkreises Impulse. Ole!