Märkische Allgemeine

19.03.2005

Der Rhythmus macht den Kleinsten Spaß

Antinéa unterrichtet Flamenco in Brieselang: "Jeder tanzt mit dem Körper, den er hat"

ANKE FIEBRANZ

BRIESELANG "Das hatten wir schon", ruft Gina begeistert. Die anderen Mädchen nicken. Dann geht es los: "Laut, klatsch, leise, leise. Laut, klatsch, leise, leise." Wie ein Mantra sprechen die Vier- bis Siebenjährigen die Worte vor sich hin. Bei "laut" stampfen die Füße auf. Ginas stecken in roten Schühchen mit kleinem Blockabsatz. Sie trägt eine weiße Häkeljacke und einen roten Rock. Ganz stilecht. Schließlich lernt die Sechsjährige Flamenco. "Ganz lange schon", verrät der zierliche Blondschopf.

Antinéa lacht. "Ganz lange heißt seit Anfang Januar", sagt die Frau mit dem exotischen Namen, die den Kindern die Grundschritte des berühmten südspanischen Tanzes beibringt. Immer mittwochs, für eine Stunde kommen Lea (4), Gina (6), Johanna (6), Jamila (7), Isabel (6) und Stella (9) ins Kreativzentrum an der Brieselanger Thälmannstraße 1.

Mitunter scheint es, als habe Antinéa einen Sack Flöhe zu hüten, so munter wirbeln die Kleinen herum. Aber dann auf einmal konzentrieren sie sich wieder völlig. Gitarrenklänge von der CD erfüllen den kleinen Raum mit dem großen Spiegel: "Klatsch, klatsch, klatsch" - das rhythmische Klatschen - im Flamenco Palmas genannt - klingt schon ziemlich echt.

Antinéa leitet im Speckgürtel mehrere Kurse, in Brieselang den einzigen mit ganz Lütten. "Jedes Kind tanzt gern. Den Rhythmus zu spüren, das macht den Kleinen besonderen Spaß." Dabei achtet Antinéa, die eine Spezialausbildung in Tanzpädagogik absolviert hat und sich im Verein "Tanzmedizin Deutschland" engagiert, sehr auf ein anatomisch korrektes Training. "Ich würde nie Fußtraining mit Kindern unter zwölf Jahren üben. Da sind die Knochen noch zu weich", sagt die 38-Jährige, die heute in Berlin-Neukölln zu Hause ist.
Ihr Leben, ihre Arbeit - das ist der Flamenco. Für ihn brach sie das Medizinstudium ab. "Es war eine bewusste Entscheidung. Der Tanz wurde immer wichtiger. Ich habe jeden Tag mehrere Stunden geübt." Sie wollte es zur Bühnenreife bringen. Von 1998 bis 2000 studierte und arbeitete sie in Sevilla. Manolo Marin, weltweit lange der gefragteste Flamenco-Choreograph, wurde ihr wichtigster Lehrer. Marin gab ihr auch den Künstlernamen: Antinéa. (…)

"Mit meinem Künstlernamen identifizieren mich die Leute", sagt Antinéa, (…). Tritt sie mit ihrem Ensemble auf, werden "Antinéa y Amigos" angekündigt. Die Premiere von "Leyenda e historia", wo es um Legenden aus Andalusien geht, hat am 22. Mai im "La Luz", im Wedding Premiere. Ein Mix aus Gitarre, Tanz und Schauspiel.

Antinéa würde gern mehr auf der Bühne stehen. Aber auch für Tänzer sind die Zeiten nicht einfach. Der Unterricht als zweites Standbein macht ihr Spaß: In Brieselang soll noch ein Kurs für Kinder ab zehn aufgebaut werden. Immer mittwochs von 19 bis 20.30 Uhr trainieren schon jetzt die Erwachsenen. "Da könnten ruhig noch fünf Frauen und auch Männer dazukommen."

Alter und Figur spielen keine Rolle. "Für den Flamenco brauche ich keine besonders langen Beine, ich muss auch kein Hungerhaken sein. Ich tanze mit dem Körper, den ich habe."

Wenn Antinéa die Bühne betritt, spürt man, dass es um Ausstrahlung geht. "Und die hat was mit Lebenserfahrung zu tun", sagt die Künstlerin. Lange Zeit wurden Flamenco-Tänzerinnen erst mit 60 Jahren richtig berühmt.